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Mit sozial Phobie im Gepäck eine Woche in fünf Städten

04.märz 2020



Von Stuttgart nach Leipzig und dann nach Hause. Nürnberg, dann München und das in einer Woche.

Das klingt viel und das klingt teuer. Das klingt anstrengend und wie ein Abenteuer. Und irgendwie hört es sich bestimmt auch falsch an, wegen der diagnostizierten sozial Phobie.

In einer Gesellschaft, in der nur selten über psychische Krankheiten gesprochen wird, ist schnell als Betroffene*r festzustellen, wie wenig andere eigentlich wissen wie es ist so krank zu sein.


Die eine, die erste Ebene ist meist erreicht. „Menschen mit psychischen Krankheiten, denen geht es nicht gut. Die haben schlechte Gedanken und man muss sich Sorgen um sie machen. Die sind eingeschränkt im Leben und schaffen es nicht ohne Hilfe.“

Doch die zweite und dritte, all die anderen Ebenen welche direkt unter der ersten liegen, die werden selten erreicht. Oberflächlichkeit mag normal geworden sein. „Das Wetter ist gut, dir geht es gut, alles gut.“

Die Tiefe, die Wahrheit ist schwer zu erreichen und schwierig zu begreifen. Es strengt an sich mit etwas beschäftigen zu müssen was einen selbst nicht betrifft. Dafür ist die Zeit nicht vorhanden, denn wer hat das schon, Zeit?

Ich werde oft gefragt wie genau das eigentlich bei mir alles zusammenpasst. Ich möchte, dass ihr fragt. Fragt und redet. Hört zu und bildet euch weiter. Sammelt Erfahrungen anderer, saugt auf was um euch passiert. Überall ist sie da, die Inspiration, die eine Sichtweise, die einen plötzlich selbst weiterbringt.

Aus neuem kann man lernen. Lernen darüber wie man selbst im tiefsten funktioniert, warum sich jemand verhält, wie er sich verhält.


Wir alle sind so unterschiedlich, so verschieden. Wir alle sind so anders und so gleich. Wir alle sind wir alle.

Wie hält es also eine Person mit diagnostizierter sozial Phobie aus, in mitten diesem „alle“? Wie kann so jemand überhaupt Freunde haben, wenn er „angst hat vor dem sozialen“? Wie sich in Zügen aufhalten mit unbekannten Menschen, durch volle Städte streifen und ständig reisen? Und wie kann das für jemanden ein Problem sein, wenn das Reisen doch das normalste der Welt zu sein scheint?


In Folge „thirteen“ meines Podcasts erläutere ich die Krankheit sozial Phobie. Sie hat wie jede existierende Krankheit viele verschiedene Seiten, unterschiedliche Gründe und Symptome. Denn nicht nur wir sind unterschiedlich und verschieden, auch die Krankheit jedes einzelnen ist das. Auch sie ist so anders und so gleich.

Das ist wichtig zu wissen um zu verstehen, dass nicht jede*r Diagnostizierte*r sich gleich in unterschiedlichen Situationen verhält. Sozial Phobie sucht sich meist einen bestimmten Ort, nimmt sich eine Problemstelle und lässt sich dort nieder. Sie versteckt sich manchmal, scheint zu schlafen nur um dann plötzlich, grundlos erscheinend aufzutauchen. Sie ist mal groß, mal klein, mal schwer, mal leicht.


Wenn ich also beschließe zu reisen, dann ist die sozial Phobie natürlich mit im Gepäck. Das ist sie immer und überall. Sie geht mal neben mir, läuft mal davon um zu warten. Mal ist sie wie ein Schatten, mal ist sie ich.

Würde ich die Reise mit sozial Phobie aus meinem Befinden sehen wie eine Studie wäre das Ergebnis wahrscheinlich folgendes: Prozentual lässt sich nach jahrelanger Forschungsarbeit verschiedenstes feststellen. Betratet man das Stresslevel, so lässt sich beobachten, dass dieses vor dem eigentlichen Beginn der Reise unangenehm hoch ist. Das Ankommen am Zielort erreicht dann die höchst gemessene Zahl des Stresslevels.

Die Angst in Level aufzuteilen ist ebenso wichtig, jedoch wäre nötig diese Angst wiederum in eigene Sektionen zu unterteilen, wie die Angst vor dem sich selbst zu blamieren, die Angst verurteilt zu werden, die Angst sich nicht auszukennen, die Angst nicht zu genügen, die Angst etwas zu verpassen, die Angst etwas falsch zu machen und die Angst davor Angst zu haben. Zusammengefasst betrachtet ist das Level der Angst unterschwellig immer da. Besonders hoch ist sie ebenso wie das Stresslevel vor der Reise, jedoch sind während der Anreise höhere Ausschläge zu betrachten. Nach einem weiteren Hoch während des Ankommens, sinkt die Angst fast ganz nachdem die zu erwartende Person gefunden wurde. Dann scheint sich das Angstlevel einzupendeln, schlägt jedoch beispielsweise aus, wenn unbekannte Personen kennengelernt werden.

Auch das Energielevel spielt in dieser Studie eine durchaus wichtige Rolle. Hierbei hat sie ihren Tiefpunkt erreicht, wenn die Abreise angetreten ist, befindet sich sogar im Minus, sobald sich die Person wieder zu Hause befindet. Auch zu sehen ist, dass das Level der Energie nie über eine bestimmte Grenze zu kommen scheint. Diese Grenze jedoch ist erstaunlich niedrig was sich so erläutern lässt, dass die Person während einer Reise zwar Energie hat, diese sich auch verändert, im Gesamten aber deutlich weniger Energie zur Verfügung zu haben scheint als bei gesunden Personen.

Unbedingt zu beachten ist, dass sich diese Studie NUR auf Reisen beziehen, welche von der Probandin zu ihren Freunden antritt.


Sähe ich das Reisen mit sozial Phobie aus meiner Sicht theoretisch, kann ich eindeutig sagen, dass es im Grunde für mich Normalität ist so viel, lange und oft unterwegs zu sein. Andere laufen zehn oder fahren fünfzehn Minuten, bis sie bei ihren Freunden sind. Ich eben drei Stunden. Für mich sind zehn Minuten zu drei Stunden geworden und diese drei Stunden nutze und verbrauche sie nicht.


Anstatt den Garten der Freunde, betrachte ich die Stadt, statt einen Freundeskreis, geht mein Freundeskreis meist von einer Person aus, vergrößert sich. Statt für ein paar Stunden zu bleiben, sind es bei mir Tage. Anstatt sie zu vermissen, besuche ich.

Vier Städte in einer Woche sind also für mich finanziell und psychisch nur möglich, da ich Freunde hopping betreibe, mit meinen Liebsten Zeit teile.


Von Reise zu Reise wachse ich, sinkt der Stress und die Angst, steigt die Energie. Ich entscheide mich absichtlich für die Angst um sie bekämpfen zu können, übertrete meine Grenzen um leben zu dürfen. Ich fordere meine Gedanken heraus, lerne sie zu kontrollieren, mich selbst zu verstehen um im Leben zu stehen. Ich nehme jede Situation wie sie ist, betrachte sie, akzeptiere sie, mache das Beste daraus. Ich gewinne gegen meine dunklen Gedanken, entscheide mich bewusst dagegen so zu leben, wie es mir die sozial Phobie eigentlich sagt.

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